Der Rat der Guten Regierung von Oventik berichtet über die Situation der vertriebenen Unterstützungsbasis und verurteilt die Repression der Schlechten Regierung

Rat der Guten Regierung
´Zentrisches Herz der Zapatisten vor der Welt`
SNAIL TZOBOMBAIL YU’UN LEKIL J’AMTELETIK
TA O’LOL YO’ON ZAPATISTA TA STUK’IL SAT YELOB SJUNUL BALUMIL

13. Oktober 2010.

Betreff: Erklärungsdokument

An die Öffentlichkeit.
An die nationale und internationale Presse.
An die nationale und internationale Gesellschaft.
An die Menschenrechtsorganisationen.
An die alternativen Medien.
An die Anhänger*innen der Anderen Kampagne.
An die Anhänger*innen der ´Sexta Internacional`.
Brüder und Schwestern.

Der Rat der Guten Regierung ´Zentrisches Herz der Zapatisten vor der Welt`, Hochland von Chiapas.

Wir wollen alle wissen lassen, dass am 12. Oktober dieses Jahres unsere Compañer@s, die am 9. September dieses Jahres aufgrund der Bedrohungen und Aggressionen der Anhänger*innen der politischen Parteien desselben Ejido San Marcos Avilés, offizieller Landkreis Chilón, zur Flucht gezwungen wurden, in ihre Heimatgemeinde (San Marcos Avilés) zurückgekehrt sind.

Die Rückkehr wurde von einem Kommission von Compañer@s einiger nahe gelegener Landkreise begleitet.

Jetzt sind unsere Compañer@s wieder in ihrer Gemeinde, denn es ist nicht gerecht, dass viele Kinder, Frauen, Alte und Kranke alle Arten von Bedürfnissen und Privatsphäre außerhalb ihrer Heimatgemeinde ertragen, während die Aggressor*innen ihre Freiheit genießen sowie Unterstützung und jede Art von Hilfe der Landkreis-, Landes- und Bundesregierung erhalten.

Unsere Compañer@s sind wieder in ihren bescheidenen Häusern, obgleich diese durch die Aggressor*innen geplündert und teilweise zerstört wurden. Doch unsere BAEZLN wird dort bleiben, weil unsere Compañer@s das Recht haben in ihrer Gemeinde zu leben und auf ihren Ländereien zu arbeiten. Sie werden niemanden belästigen und wollen einfach nur in ihrer Gemeinde leben und arbeiten, um zu überleben, denn sie werden keine Almosen der Schlechten Regierung erbeten. Unsere Compañer@s werden sich ernähren und leben von ihrer eigenen Arbeit und ihrem eigenen Schweiß.

Unsere Compañer@s werden weiterhin daran arbeiten ihre Autonomie in den Bereichen Gesundheit, Bildung und kollektiver Arbeit aufzubauen und ihre eigenen Autoritäten bilden. Sie werden die Anderen respektieren, immer und solange ihre Rechte auch respektiert werden, aber sie werden sich nicht dem Willen der offiziellen Autoritäten oder den Anhänger*innen der politischen Parteien unterwerfen.

Wenn unseren Compañer@s, die bereits wieder in ihrer Gemeinde sind, etwas zustößt, sind die Landkreis-, Landes- und Bundesregierungen dafür verantwortlich, die die Paramilitärs beraten, finanzieren und bewaffnen und die armen und elendigen Menschen manipulieren.

Wir Zapatist*innen belästigen niemanden. Wir vertreiben unsere, den Parteien angehörigen, Brüder und Schwestern nicht. Wir stehlen weder das Land unserer bäuerlichen Brüder und Schwestern noch anderes Eigentum anderer armer Brüder und Schwestern. Wir verteidigen nur was uns gehört, was unsere Rechte sind. Wir leben und ernähren uns von unserer eigenen Arbeit und unserem Schweiß, aber wir wollen für echte Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit für alle kämpfen. Das sind unsere ´Delikte`, als Zapatist*innen.

Deshalb rüsten die Landkreis-, Landes- und Bundesregierungen Paramilitärs aus, bilden lokale Kaziken und kaufen arme Leute um unseren Kampf und Widerstand anzugreifen und zu zerstören, und setzen die Drohungen, Aggressionen, Vertreibungen und Enteignungen der Ländereien und Habseligkeiten unserer Compañer@s der BAEZLN fort.
So wie sie es mit unseren Compañer@s der Gemeinde von Pozo, offizieller Landkreis
C´ancuc, gemacht haben, welche gewaltsam von den politischen Parteien angegriffen wurden, nur weil auch sie ihre Rechte auf Wasserversorgung und elektrisches Licht haben wollen. Und jetzt sind drei unserer Compañer@s, zu Unrecht, als Schuldige am Tod eines Mitglieds der PRI, welche den Angriff provoziert haben, inhaftiert. Als die Compañer@s sahen, dass ihre Brüder und Schwestern getötet werden und sich selbst angegriffen fühlten, mussten sie handeln um sich und ihre Compañer@s zu verteidigen.

Jene Compañer@s, die sich und ihre Brüder und Schwestern verteidigt haben, flohen aus Angst verhaftet und von den Angreifer*innen getötet zu werden. Deshalb wissen wir bis jetzt nicht, wo sich unsere Compañer@s befinden, aber es sind nicht diejenigen, die jetzt im Gefängnis sind. Unsere drei Compañer@s sind zu unrecht inhaftiert, da sie nichts mit den Tod des PRI Mitgliedes zu tun haben. Unsere drei Compañer@s, Miguel Hernández Pérez, Diego Martínez Santis und Miguel Méndez Santis, Gefangene im CERESO 5, in der Gemeinde Los Llanos des Landkreises San Cristóbal de Las Casas, Chiapas, sind „unschuldig“.

Aber die Schlechten Regierungen, mit ihren Richtern und Staatsanwälten, wissen nicht gerecht zu handeln, da sie nicht gut recherchieren und unschuldige Personen zu Gefängnis verurteilen, um dafür zu bezahlen, was sie nicht getan haben.

Die Regierungen unseres Landes und ihre angehörigen Leute in den verschiedenen politischen Parteien begehen viele Ungerechtigkeiten und Verfolgungen gegen unsere zapatistischen Compañer@s und gegen andere soziale Kämpfe.

Aber wir wollen den Schlechten Regierungen und ihren „Jungen (Hunden)“ sagen, dass die Zapatist*innen es nicht zulassen werden, dass sie mit ihren Schlechtigkeiten gegen unsere kämpfenden Völker fortfahren, wir werden auch keine weiteren Aggressionen gegen und Vertreibungen unserer Compañer@s der BAEZLN zulassen, weil unsere Compañer@s keinerlei Schuld haben, außer, dass sie ihre Rechte auf Bildung, Gesundheit und Autonomie ausüben wollen.

Aber wie das ganze mexikanische Volk weiß, wie die ganze Welt weiß, ist es in Chiapas und in Mexiko ein „Verbrechen als Volk seine Rechte auf Bildung, Gesundheit und Autonomie auszuüben“. Denn die einzigen Vergehen unserer Compañer@s, wofür sie bedroht, angegriffen und verfolgt werden, ist dass sie ihre eigene autonome Erziehung für ihre Kinder haben wollen, weil sie mit Rechten und Gerechtigkeiten leben wollen, weil sie als Menschen respektiert werden wollen.

Aber es ist klar, dass die Schlechten Regierungen, des Bundes, der Länder und Landkreise, uns unter allen Umständen zerstören und vernichten wollen, weil wir Zapatist*innen die Wahrheit sagen, weil wir keine Lügen erzählen, weil wir klar sagen, dass die Mörder, die Provokateure, die Aggressor*innen, die Ungerechten und Zerstörer*innen der Menschheit die Schlechten Regierungen und Mächtigen sind, weil sie es sind, welche den Reichtum unseres Landes stehlen, die Natur zerstören, unsere Völker massakrieren und töten und unschuldige Menschen in Gefängnisse stecken.

Es sind die Schlechten Regierungen, die den Reichtum unseres Landes den großen nationalen und ausländischen Unternehmen aushändigen. Sie sind es, die in unsere Territorien eindringen und sie besetzen. Und nun sagt die Schlechte Regierung, dass es kein Land mehr für die Bäuerinnen und Bauern gibt, dass es kein Wasser und kein Licht für die Gemeinden gibt, und wenn sie uns einige wenige Dienste gewähren, müssen unsere Dörfer hohe Steuern bezahlen und denen die nicht zahlen, kappen sie das Licht und das Wasser. Wenn unsere Compañer@s die Grundsteuer nicht zahlen, nehmen sie ihnen das Land weg und geben es den Paramilitärs und Kaziken.

Gegen die Völker, die kämpfen und ihre Rechte verteidigen, organisieren sich die Schlechten Regierungen und instrumentalisieren indigene und arme Leute um ihre eigenen Brüder und Schwestern zu bedrohen, anzugreifen und zu vertreiben, im Gegenzug für ökonomische und soziale Unterstützung, wie Häuser, Toiletten, Nahrungsmittel und Bargeld. Also wo ist die Gerechtigkeit, wo die Rechte und Gleichheit, welche die Schlechten Regierungen und politischen Parteien verkünden? Die direkten Verantwortlichen für alle Aggressionen, Provokationen, Vertreibungen und Auseinandersetzungen zwischen den Schwestern und Brüdern und alle Unruhen die in unseren Dörfern existieren, sind die drei Regierungsebenen.

Aber wie die Mächtigen und die Schlechten Regierungen wissen, werden wir Zapatist*innen unseren Kampf für unsere Rechte, unsere Freiheit und zum Aufbau unserer Autonomie in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Handel und Kommunikationsmedien und unsere autonomen Regierungen fortsetzen.

Die autonome Bildung wurde in allen autonomen Bezirken und zapatistischen Territorien eingeführt. Aber um die Schande der Schlechten Regierung zu vertuschen, sagt sie, dass es keinerlei Probleme in den staatlichen Schulen mit offiziellen Lehrer*innen gibt, die nur die Namen der zapatistischen Kinder, welche nicht mehr in den offiziellen Schulen sind, angeben müssen, vorausgesetzt, dass kein*e offizielle*r Lehrer*in versetzt wird.

Es ist die Autonomie der Völker, was die Schlechten Regierungen nicht wollen, weil sie die indigenen Völker weiter unter ihrer Vorherrschaft halten wollen und sie bringen ihnen viel Hass entgegen, wenn wir indigenen Völker lernen uns zu organisieren und uns allein regieren. Aber wie dem auch sei, den Kampf, den wir bereits führen wird niemand aufhalten können.

Wir bitten alle Brüder und Schwestern der nationalen und internationalen Zivilgesellschaft, und alle Anhänger*innen der Anderen Kampagne und der ´Sexta Internacional` wachsam zu sein und zu verfolgen, was mit unseren Compañer@s passiert, welche in ihre Gemeinde zurückgekehrt sind aber immer noch bedroht werden.

Das sind unsere Worte für den Augenblick.

Hochachtungsvoll,

Der Rat der Guten Regierung ´Zentrisches Herz der Zapatisten vor der Welt`, des Hochlandes von Chiapas, Mexiko

Remigio Santiz López
Maribel Perez Perez
Santiago Díaz Hernandez
Adolfo Hernandez Hernandez
Esmeralda Gomez Dias
Amelia Gomez Gomez

Denuncia im Original: http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2010/10/13/la-jbg-de-oventik-informa-la-situacion-de-las-bases-de-apoyo-desplazadas-y-denuncia-la-represion-del-mal-gobierno/