Gründung des Berliner Komitees zur Unterstützung der Zapatist*innen in San Marcos Avilés

Am 01. Januar 1994 erhoben sich indigene Bäuerinnen und Bauern im südöstlichen mexikanischen Bundesstaat Chiapas gegen die Regierung. Die Zapatisten, wie sie sich nennen, kämpfen seit dem für Land, Autonomie, Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit, Gesundheitsversorgung und Bildung. Obwohl sie nach anfänglichen 12 Tagen bewaffneten Kampfes dieses Ziel nun friedlich verfolgen, sind sie seit ihrer Erhebung schärfster staatlicher Repression ausgesetzt. Im Zuge der von den US-Amerikanern entwickelten Strategie der Aufstandsbekämpfung geht der mexikanische Staat gegen die Bewegung mit dem Einsatz von Paramilitärs, Desinformation und Diskreditierung durch staatstreue Medien sowie der Zermürbung durch den Einsatz der regulären Armee, von der sich rund ein Drittel mittlerweile im zapatistischen Einflussgebiet befindet, vor.

Der traurige Höhepunkt war ein 1997 von Paramilitärs ausgeführtes Massaker an pazifistischen Unterstützer*innen der Zapatisten, bei dem 45 Menschen ermordet wurden. Seit der Erhebung kommt es regelmäßig zu Morden, Vertreibungen, Vergewaltigungen, Verhaftungen und Akten der Zerstörung mit dem Ziel, die Bewegung einzuschüchtern und letztendlich zu zerschlagen. Auch verschiedene internationale und ausländische Organisationen wie der WWF oder die GIZ sowie internationale Konzerne wie Bayer oder Coca Cola werden mit in die Aufstandsbekämpfung einbezogen, da sie eigene Interessen in der sehr ressourcenreichen und für Tourismus attraktiven Gegend verfolgen.
Die Basis der zapatistischen Bewegung sind die zivilen Unterstützungsbasen (bases de apoyo). Diese sind mehrere hundert rebellische Gemeinden, welche hauptsächlich den “würdigen Aufstand“ der Indigenen tragen und der staatlichen Repression am stärksten ausgesetzt sind. Der mexikanische Staat verstößt dabei mit seinem Vorgehen gegen das völkerrechtlich gesicherte Recht auf Selbstbestimmung indigener Völker nach der UN-Deklaration von 2007.

Eine dieser zivilen Unterstützungsbasen ist die sich im Norden von Chiapas befindende Gemeinde von San Marcos Avilés. 2010 bauten die Zapatist*innen in San Marcos Avilés eine autonome Schule, woraufhin staatstreue Aggressor*innen sie aus dem Dorf vertrieben. Ihre Felder wurden besetzt oder verbrannt, ihre Häuser verwüstet und ihr Hab und Gut zerstört. Nach einer einmonatigen Odyssee kehrten die Bewohner*innen, welche während der Vertreibung starken Hunger litten, mit Hilfe eines Menschenrechtszentrums, Friedensaktivist*innen sowie der zapatistischen Verwaltung in die Gemeinde zurück. Obwohl sich seitdem ein internationales Friedenscamp in der Gemeinde befindet, sind die Zapatist*innen von San Marcos Avilés seit ihrer Rückkehr regelmäßig Bedrohungen, Diebstahl, der Zerstörung ihrer Felder oder tätlichen Angriffen ausgesetzt.

Im Zuge der Präsidentschaftswahlen und dem umstrittenen Wahlsieg der Partei der Institutionellen Revolution (PRI) im Sommer 2012 haben sich die Aggressionen und Repressionen gegenüber San Marcos Avilès und den anderen zapatistischen Gemeinden verschärft. Das Aktivist*innen-Kollektiv La Otra Nueva York veröffentlichte Ende Juli im Zuge einer für zwei Monate geplanten Solidaritätskampagne eine Videobotschaft mit der Bitte der Zapatist*innen von San Marcos Avilés um internationale Unterstützung (VIDEO).

Am 6. August 2012 kündigten daraufhin staatstreue Aggressor*innen an, die Compas „in den nächsten Tagen zu attackieren“, woraufhin eine internationale Kampagne zur Unterstützung der Zapatist*innen in San Marcos Avilés gestartet wurde (KAMPAGNE/).
Als Antwort formieren sich zurzeit in verschiedenen Ländern Komitees zur Unterstützung der Gemeinde. Ziele sind Informationen auszutauschen, sich zu vernetzen, die Menschen auf die problematische Situation in Mexiko im Allgemeinen sowie in Chiapas im Besonderen aufmerksam zu machen und öffentlichen Druck aufzubauen.
Am 26.08.2012 gründete sich nun das Berliner Komitee zur Unterstützung von San Marcos Avilés.

Die hier engagierten Menschen sind zum Teil ehemalige Menschenrechtsbeobachter*innen, die in dem Friedenscamp vor Ort aktiv waren sowie Sympathisant*innen des zapatistischen Aufstandes. Wir lassen es nicht zu, dass die tapferen Bewohner*innen von San Marcos Avilés erneut vertrieben werden. Gemeinsam wollen wir unseren zapatistischen Freund*innen zeigen, dass ihr Aufruf nicht unbeantwortet bleibt und es überall auf der Welt rebellische Herzen gibt. Gemeinsam wollen wir für eine andere Welt kämpfen. Eine andere Welt, die möglich ist.

„Preguntando caminamos“ – „Fragend schreiten wir voran“
Das Berliner Komitee, 09.09.2012


Weitere Informationen:

Weltweite Erklärung:
http://sanmarcosaviles.wordpress.com/declaracion-mundial/

Blog des Berlinkomitees zur Unterstützung von San Marcos Avilés:
http://sanmarcosberlin.blogsport.de/

Kontakt Komitee Berlin:
sanmarcosaviles@gmail.com