Denuncia zu anhaltenden Aggressionen in San Marcos Avilés

Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas, AC

San Cristóbal de Las Casas, Chiapas
26 Dezember 2013

Bulletin Nr. 38

Parteianhänger*innen von San Marcos Avilés setzen Aggressionen gegen die zapatistische Autonomie fort

Drei Jahre und Zwei Monate Belästigung, Drohungen und Vertreibung

Dieses Menschenrechtszentrum dokumentierte und erhielt Berichte der zivilen internationalen Beobachtungsbrigaden (Bricos), seit dem 15. Dezember 2013, über die Fortführung der Belästigungen, Aggessionen, Morddrohungen und Vertreibung gegenüber der Unterstützungsbasis der EZLN (BAEZLN) in der Gemeinde San Marcos Avilés (SMA) des offiziellen Municipio Chilón [Landkreis], Chiapas.

Seit drei Jahren leisten der Rat der Guten Regierung von Oventik und die BAEZLN in San Marcos Avilés Widerstand gegen eine Gruppe von Parteianhänger*innen, die Aktionen gegen die Bildung und das gesamte zapatistische Autonomieprojekt durchführen, unter der Deckung von Verwaltungsbeamt*innen des Municipios Chilón und der Bundesstaatsregierung, geführt durch den Gouverneur Manuel Velasco Coello.

Während der jüngsten Ereignisse am 11. Dezember 2013, drangen um 6.30 Uhr Juan Pérez Cruz und seine Frau María Elena Cruz, beide von der Partei der Institutionellen Revolution (PRI), in die Kaffepflanzung einer BAEZLN ein und stahlen die Früchte von 200 Kaffeepflanzen. 20 Uhr des selben Tages war aus dem Haus von Juan Pérez Cruz, 50 Meter von der Unterkunft der Bricos entfernt, ein Schuss zu hören, um de BAEZLN einzuschüchtern. Am 12. Dezember 2013, 6 Uhr, erschien Juan Pérez Cruz am Haus einer BAEZLN und sagte wörtlich: „Ich komme um dich zu warnen, dass deine Kaffeepflanzung nicht mehr dir gehört, jetzt gehört sie mir, weil du die Grundsteuer nicht zahlst, und dass du nicht mehr in deine Kaffepflanzung und deine Milpa (Maisfeld) zurückkehrst, denn wenn doch, werde ich dich dort mit einer Machete töten.“ Am 14. Dezember 2013 wurde ein weiterer Schuss vom Haus von Juan Pérez Cruz abgegeben.

Angesichts der systematischen Aggressionen und Belästigungen gegenüber der BAEZLN, gaben sie ihre Position bekannt:

Wir BAEZLN der Gemeinde San Marcos Avilés waren geduldig, wir ertrugen und widerstanden all die Übel, die uns die Parteianhänger*innen in dieser Gemeinde antaten […] jetzt haben wir die Geduld verloren und heute sagen wir: es reicht! Zu all den Übeln die sie uns antun, durch die Vereinbarung der BAEZLN der Gemeinde San Marcos Avilés sagen wir, dass der Moment gekommen ist, um uns zu verteidigen, koste es was es wolle, was auch passiert, wir werden uns verteidigen und wir werden nicht mehr verzeihen, dass sie uns den Respekt und das Recht in unserer eigenen Gemeinde zu leben verwehren […] Ab jetzt machen wir für alles was in der Gemeinde San Marcos Avilés passiert die drei Ebenen der ofiziellen Regierung, wegen der Nichtbeachtung der Angelegenheit, verantwortlich […]

Nach diesen Fakten haben wir von den Bricos die Information erhalten, dass die Parteianhänger*innen Aggressionen, wie der Raub ihrer Maisfelder, gegen andere BAEZLN fortsetzen.
Aus diesem Grund betrachtet das Menschenrechtszentrum mit Sorge die ernste Situation in der sich die BAEZLN von SMA befindet. Deshalb wird von der chiapanekischen Landesregierung die Kontrolle der Parteianhänger*innen, die ungestraft in der Gemeinde vorgehen, gefordert sowie unverzüglich entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, bezüglich der Bestrafung der Verantwortlichen der Aggressionen, Morddrohungen, Diebstähle, Enteignung und Vertreibung; und die Respektierung der Ausübung des Rechts auf Autonomie, Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung, das Recht auf Eigentum und Besitz der (Arbeits-)Ländereien der BAEZLN, gemäß der Konvention Nr. 169 der ILO, der Erklärung der Vereinigten Nationen über die Rechte der indigenen Völker und im Rahmen der Achtung der Abkommen von San Andrés.

Hintergund:
Am 9. September 2010, wurden 170 Personen, darunter Männer, Frauen und Kinder der BAEZLN-Bewohner*innen des Ejido SMA, durch 30 Familien, Mitglieder der Partei PRI, der Partei der Demokratischen Revolution (PRD) und der Grünen Ökologischen Partei Mexikos (PVM) desselben Ejido vertrieben, die gewaltsam, mit Stöcken, Macheten und Schusswaffen in die Häuser der BAEZLN eindrangen. Diese Taten erfolgten nach dem Bau der ersten autonomen Schule im Ejido, um mit den geplanten Aktivitäten der rebellischen, autonomen, zapatistischen Bildung zu beginnen.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass an diesem Tag, die BAEZLN aus ihren Häusern in die Berge floh, um nicht auf die Aggressionen zu reagieren. Nach 33 Tagen der Vertreibung, ohne Nahrungsmittel und ohne Schutz, kehrten die 27 Familien der BAEZLN (insgesamt 170 Personen), am 12. Oktober 2010 in ihre Gemeinde zurück.

Seit dem 9. September 2010, dem Zeitpunkt als das Menschenrechtszentrum Kenntnis von der Problematik im Ejido SMA erhielt, haben wir die Regierungsbehörden durch verschiedene Treffen über die genannte Situation informiert, mit der Absicht die Einhaltung ihrer Verpflichtung – die Integrität und persönliche Sicherheit der Bewohner*innen zu gewährleisten – zu erfüllen und eine Lösung des Konfliktes zu finden. Bis heute war die einzige Antwort die den Konflikt zu verwalten.

Original: http://www.frayba.org.mx/archivo/boletines/131226_boletin_39_sma.pdf