Weitere Bedrohungen und Übergriffe

Weitere Bedrohungen und gewalttätige Übergriffe auf zapatistische Gemeinden

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In den letzten Wochen gab es weitere schwere Aggressionen gegenüber zapatistischen Unterstützungsbasen, wie durch öffentliche Anklagen (denuncias) verschiedener Räte der Guten Regierung bekannt wurde.

Laut einer Veröffentlichung des Caracols „Morelia“ wurden Zapatist*innen bei der kollektiven Feldarbeit von bewaffneten Personen der Gruppe ´ORCAO`, einer regierungsnahen Organisation der Kaffeebauern von Ocosingo, bedroht und ihr Land beansprucht. Solcher Art Bedrohungen wiederholten sich daraufhin, mit je 4-100 Aggressor*innen. Bei zwei dieser Vorfälle wurden Schüsse von den Angreifer*innen abgegeben. Bisher gab es keine Verletzten.
Von dieser Gruppe, ´ORCAO`, sind in der Vergangenheit schon ähnliche Übergriffe ausgegangen. So zum Beispiel im August 2011, als Mitglieder der ´ORCAO` in eine zapatistische Gemeinde eindrangen und ein Haus, das als Küche der Menschenrechtsbeobachter*innen diente, zerstörten.

Ähnliche Bedrohungen gab es kürzlich in einer Gemeinde die dem Caracol „La Realidad“ angehört. 45 bewaffnete Anhänger*innen verschiedener Parteien bedrohten die dort mit dem Bau eines Hauses zur Kaffeelagerung beschäftigten Menschen.
Der Rat der Guten Regierung von „La Realidad“ betont in seiner denuncia, dass sie davon ausgehen, dass die Aggressor*innen nur im Auftrag staatlicher Representant*innen handeln und diese die Hauptschuld an der Eskalation zukommt. Der Rat bezieht sich dabei auf die Strategie des Krieges niederer Intensität, in welcher die Regierung meist Bewohner*innen indigener, kleinbäuerlicher Gemeinden als paramilitärische Gruppen gegen soziale Bewegungen und v.a. gegen die Zapatist*innen instrumentalisiert.

Link denuncia Morelia 9. August 2012 (spanisch): http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2012/08/15/la-jbg-de-morelia-denuncia-ataque-de-la-orcao-con-arma-de-fuego-a-bases-de-apoyo-zapatista/

Link denuncia La Realidad 15. August 2012 (spanisch):

http://enlacezapatista.ezln.org.mx/2012/08/15/la-jbg-de-la-realidad-denuncia-despojo-ataques-y-provocaciones-del-mal-gobierno-junto-con-los-partidos-pvem-y-prd/


Paramilitärs besetzen zapatistische Gemeinde und vertreiben Bewohner*innen

Eine vom Rat der Guten Regierung des Caracols „Roberto Barrios“, in der nördlichen Zone Chiapas, am 7. September 2012 veröffentliche denuncia berichtet von schweren Aggressionen der regierungsnahen, paramilitärischen Organisation „Paz y Justicia“ gegen die neue zapatistische Gemeinde „Comandante Abel“ (vormals San Patricio) im autonomen Bezirk „La Dignidad“.

Die Gemeinde „Comandante Abel“ wurde letztes Jahr Infolge der zahlreichen Gewalthandlungen gegen die zapatistische Unterstützungsbasis der Gemeinde San Patricio, in unmittelbarer Nähe ihrer alten Gemeinde, gegründet.

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Der Angriff und die Besetzung der neuen Gemeinde am 6. September erfolgte durch zunächst ca. 55 schwer bewaffnete Aggressor*innen, Bewohner*innen des Dorfes Unión Hidalgo und Anhänger*innen der PRI aus San Patricio (offizieller Bezirk Sabanilla). Bis zum 7. September vermehrten sich die Angreifer*innen auf rd. 150 Personen. Sie begannen nicht nur die Felder und Ernten der Zapatist*innen zu zerstören, sondern auch sich eigene Unterkünfte zu bauen. Während des Angriffes wurden immer wieder gezielt zahlreiche Schüsse aus großkalibrigen Waffen auf die Bewohner*innen von „Comandante Abel“ abgegeben.

In einer zweiten denuncia vom 11. September 2012 berichtet der Rat der Guten Regierung über die anhaltenden Aggressionen und Schüsse der Paramilitärs gegen die Gemeinde. Die Frauen, Kinder und älteren Personen haben die Gemeinde aus Furcht bereits verlassen und irren während der Regenzeit und unter Hunger und Krankheiten leidend, durch die Berge auf der Suche nach Schutz. Derzeit werden 4 Personen vermisst, 2 Frauen und 2 Kinder, deren Verbleib bis auf weiteres ungewiss ist.

Am selben Tag sind auch mind. 11 Zapatist*innen der Unterstützungsbasis in Unión Hidalgo, aus Angst vor den Aggressionen, aus ihrer Gemeinde geflüchtet und hielten sich 3 Tage schutzlos in den Bergen auf.

Vom 9. bis 11. September bauten die Aggressor*innen weitere Häuser und weiteten die Besetzung in der Gemeinde „Comandante Abel“ weiter aus. Auch die Einschüchterungen, mittels Schüssen aus zahlreichen großkalibrigen Waffen, gegen die Zapatist*innen in der Gemeinde wurden fortgeführt. Die Anführer der Aggressor*innen, Mitglieder der Organisation „Paz y Justicia“, wurden als Mitglieder der PRI, aktuelle oder ehemalige Amtsträger auf Bezirksebene, Polizisten und lokale Autoritäten identifiziert.

Link denuncia Robert Barrios vom 7. September 2012: http://www.chiapas.eu/news.php?id=6616

Dieser Anstieg der Aggressionen gegen soziale Bewegungen im Allgemeinen, und in Chiapas gegen die Zapatist*innen im Besonderen ist ein schon bekanntes Phänomen während der Endphase eines Wahlkampfes zur Präsidentschaftswahl alle 6 Jahre. Mit dem Machtwechsel der Regierungspartei, Partei der Institutionellen Revolution (PRI), zum Januar 2013 scheinen diese jedoch ein neues Niveau zu erreichen und auch zukünftig beizubehalten.

Foto:

http://animaisinsones.wordpress.com/2012/05/29/zapatistas/

http://rubenmartinmartin.files.wordpress.com


1 Antwort auf „Weitere Bedrohungen und Übergriffe“


  1. 1 Paramilitärische Übergriffe auf zapatistische Gemeinde | Antagonismo Pingback am 02. Oktober 2012 um 4:04 Uhr
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